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Deutscher Infografikdienst

Emerging Infectious Diseases

Unter dem Begriff der "emerging infectious diseases" beschäftigen sich Experten seit einiger Zeit mit dem Neu- oder Wiederauftauchen von gefährlichen Infektionskrankheiten sowie  deren Aufklärung und Bekämpfung. Die Ursachen sind keineswegs nur in einem geänderten Erregerspektrum zu suchen: Neben den biologischen Bedingungen, können auch Veränderungen der Umwelt und des Lebensstandards (zum Beispiel Klimaerwärmung, Urbanisierung), der Kontaktmuster und der kulturellen Gewohnheiten (zum Beispiel Bevölkerungszunahme und Migration, globale Distribution von Lebensmitteln, Zunahme an Interkontinentalreisen), verändertes Freizeitverhalten, sowie geänderte Lebensmittel- und Wasserversorgung, die sich rasch entwickelnde medizinische Versorgung, das Auftreten neuer Infektionen begünstigen. Die Erreger passen sich einer neuen Umgebung an, ihre Verbreitung kann dadurch gefördert oder gehemmt werden.

Illustration: Wissenschaftlich gesicherte Infografiken und Illustrationen

Im  Gegensatz zur klinischen Infektiologie, bei der die Behandlung von Individuen (Patienten) im Vordergrund steht, beschäftigt sich die Infektionsepidemiologie ihrem Wesen nach mit Bevölkerungen oder Bevölkerungsgruppen. Die deskriptive Epidemiologie beschreibt das Auftreten von Krankheiten in einer bestimmten Bevölkerung im Zusammenhang mit soziodemografischen Variablen wie Alter, Geschlecht, Beruf oder Umwelt. Die deskriptive Epidemiologie wird ergänzt durch die analytische Epidemiologie.

Als "Outcome" wird ein eindeutig festgelegtes Ereignis gewertet, das als Effekt definiert wird. Dies kann eine Erkrankung sein, der Tod als Folge einer Erkrankung oder auch eine gewünschte Verhaltensänderung im Rahmen einer Intervention. Ziel ist es, die Ursachen und Pathomechanismen einer bestimmten Infektionskrankheit aufzuklären. Die Identifizierung und Zuordnung eines Infektionserregers zu einer bestimmten Erkrankung ist hierbei von wesentlicher Bedeutung. Hierfür stehen verschiedene modere molekularbiologische sowie – genetische Verfahren neben konventionellen Techniken zur Verfügung.

Infografik Pocken-VirusDie analytische Epidemiologie stellt einen Teilbereich der Epidemiologie dar, der sich mit dem Vergleich von Erkrankungshäufigkeiten und Expositionen in ausgewählten Patientengruppen aufgrund gezielter Hypothesen beschäftigt. Hierzu werden beobachtende analytische Studien wie Fall-Kontroll- , Kohorten- oder Interventionsstudien durchgeführt.

In einer Kohortenstudie (Follow-Up-Studie) wird eine so genannte Kohorte (definierte Personengruppe innerhalb epidemiologischer Untersuchungen) von Exponierten mit einer Kohorte von Nicht-Exponierten über einen bestimmten Zeitraum hinweg bzgl. einer definierten Erkrankungshäufigkeit verglichen. In einer Fall-Kontroll-Studie wird eine Gruppe von Erkrankten (Fällen) mit einer vergleichbaren Gruppe von gesunden Personen (Kontrollen) bzgl. der auftretenden Expositionen verglichen.

Die experimentelle oder investigative Epidemiologie stellt ein Teilgebiet der analytischen Epidemiologie dar, das die Untersuchung der Auswirkung von Expositionen auf Erkrankungshäufigkeiten im Rahmen einer klinischen Interventionsstudie beinhaltet. So werden bei einer Interventionsstudie die Effekte einer bestimmten Intervention auf das Vorkommen des "Outcomes" untersucht.


Ein Beitrag von Prof. Tino F. Schwarz, Chefarzt am Zentrallabor Juliusspital in Würzburg
Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie