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| Deutscher Infografikdienst |
Marburg-Fieber: Virusbedingtes hämorrhagisches Fieber aus dem afrikanischen Regenwald
Ein Interview mit Prof. Tino F. Schwarz, Chefarzt am Zentrallabor Juliusspital in Würzburg Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie
Um was für eine Infektion handelt es sich beim Marburg-Fieber?
Verursacht wird Marburg-Fieber durch das gleichnamige Virus. Erstmals trat die Infektion im Jahr 1967 in Marburg auf, als dort versehentlich Gewebe von mit Marburg-Virus infizierten Grünen Meerkatzen für die Herstellung von Polio-Impfstoff verarbeitet wurde. Mehrere Laboranten sowie deren Angehörigen erkrankten in der Folge an dieser oftmals letal verlaufenden Infektion. |
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Prof. Schwarz: Marburg-Viren gelten als hochinfektiös. Kann es ausgehend von der aktuellen Epidemie in Angola zu einer Verschleppung der Infektion auch in andere Länder kommen, wie dies zum Beispiel bei SARS der Fall war?
Durch die eingeleiteten Abriegelungsmaßnahmen wird eine Eindämmung der Infektion auf die betroffene Region weitgehend sichergestellt. Da die Infektion am häufigsten von Mensch zu Mensch übertragen wird, bedarf es einem engen Kontakt, zum Beispiel im familiären Umfeld sowie bei der Pflege Erkrankter, um das Virus zu übertragen. Die größte Ansteckungsgefahr dürfte am ehesten für die Mitarbeiter der verschiedenen Hilfsorganisationen bestehen.
In den letzten Jahren wurden wiederholt Infektionen an Ebola-Fieber in Afrika gemeldet. Jetzt rückt das Marburg-Fieber in das Interesse. Haben die beiden Erreger sprichwörtlich die Plätze vertauscht?
Prof. Schwarz: Richtig ist, dass in den letzten 30 Jahren aus Afrika nur wenige sporadische Marburg-Fieberfälle gemeldet wurden. Im Gegensatz dazu verursachte Ebola neben sporadischen Infektionen doch mehrere Ausbrüche (DR Kongo, Sudan, Uganda). Man darf annehmen, dass beide Viren in der Region zwar endemisch sind, jedoch anscheinend nur selten mit dem Menschen in Kontakt kommen. Andererseits ist die Erfassung von Todesfällen, die außerhalb medizinischer Einrichtungen in den ärmeren afrikanischen Ländern auftreten, lückenhaft. Insofern ist nicht auszuschließen, dass beide Infektionen wohl häufiger vorkommen. Auch muss betont werden, dass bei beiden Infektionen durchaus auch asymptomatische Verläufe vorkommen. |
Wie gefährlich ist der Erreger in der Umwelt?
Prof. Schwarz: Obgleich das Marburg-Virus zu den gefährlichsten Erregern des Menschen gehört, lässt es sich einfach durch Desinfektionsmaßnahmen zum Beispiel auf kontaminierten Oberflächen inaktivieren. Da das Virus eine Lipidhülle besitzt, lässt es sich somit durch jedes gängige Desinfektionsmittel sicher zerstören.
Warum kann sich ein virusbedingtes hämorrhagisches Fieber, wie Marburg-Fieber, in Angola ausbreiten?
Prof. Schwarz: Der Grund liegt in den schlechten hygienischen Verhältnissen der medizinischen Einrichtungen in der betroffenen Region sowie der zum Teil desolaten Infrastruktur, in dem von einem langen Bürgerkrieg zerwüsteten Land.
Um den Ursprung des Marburg-Virus ranken viele Spekulationen. Was ist von einem Fledermausreservoir zu halten?
Prof. Schwarz: Die initiale Infektionsquelle für das Marburg-Virus ist trotz jahrelanger Forschungsarbeiten immer noch geklärt. Ob eine Fledermausart das tierische Reservoir darstellt, ist nicht auszuschließen. Des weiteren werden diverse Arthropoden diskutiert. Sicher scheint nur zu sein, dass Primaten als Reservoir ausgeschlossen sind, da sie selbst an dem Virus versterben.
Gesetzt dem Falle es käme zu einer Einschleppung von Marburg-Fieber nach Deutschland. Wären die Krankenhäuser auf eine solche Herausforderung vorbereitet?
Prof. Schwarz: Anders als vor 10 Jahren wurden inzwischen infektiologische Schwerpunktkliniken in Hamburg, Berlin, Leipzig, Frankfurt, München sowie Würzburg vom Robert-Koch-Institut bzw. den Gesundheitsbehörden der Länder benannt, die infrastrukturiell sowie personaltechnisch in der Lage sind, Patienten mit hochinfektiösen Infektionen, wie Marburg-Fieber, zu betreuen. Dort stehen intensivmedizinische Möglichkeiten zur Verfügung. Ob die Letalität der Erkrankung im Einzelfall hierdurch positiv beeinflusst werden kann, lässt sich in Ermangelung einer spezifischen antiviralen Therapie jedoch nicht sicher vorhersagen. |
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