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| Deutscher Infografikdienst |
Lassa-Fieber-in West-Afrika
Ein Interview mit Prof. Tino F. Schwarz, Chefarzt am Zentrallabor Juliusspital in Würzburg Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie
Wodurch wird Lassa-Fieber verursacht?
Prof. Schwarz: Lassa-Fieber gehört zu den virusbedingten hämorrhagischen Fiebern. Verursacht wird die Infektion durch das Lassa-Virus, einen zu den Arenaviridae gehörenden Erreger. Die Infektion ist ausschließlich in Westafrika endemisch. Zu den endemischen Ländern, in denen es regelmäßig zu Erkrankungen kommt, gehören Nigeria, Sierra Leone, Guinea, Liberia, Burkina Faso, Mali, Ghana, Elfenbeinküste, Senegal und Gambia. |
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Wie häufig tritt Lassa-Fieber auf?
Prof. Schwarz: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt es in Westafrika jährlich zu etwa 100.000 Infektionen mit 5.000 Todesfällen. Einschleppungen dieser Infektion durch Urlauber oder berufliche in diesen Regionen Tätige sind insgesamt selten. Trotzdem sollte bei Fieber nach einem Aufenthalt in Westafrika auch an die Möglichkeit von Lassa-Fieber gedacht werden, insbesondere wenn eine adäquate Malaria-Chemoprophylaxe durchgeführt oder gegen Gelbfieber geimpft wurde.
Sind Warnungen vor Reisen nach Westafrika gerechtfertigt?
Prof. Schwarz: Lassa-Virusinfektionen treten überwiegend in ländlichen Gebieten auf, so dass für den Pauschalurlauber nur ein sehr geringes Infektionsrisiko besteht. Anders ist es hingegen für Individualreisende, aber auch Entwicklungshelfer, die sich in endemischen, ländlichen Gebieten aufhalten und dort den Lebensstil der einheimischen Bevölkerung teilen. In diesem Fall muss selbstverständlich auch mit der Möglichkeit einer Infektion gerechnet werden. Dies betrifft auch hier lebende Immigranten aus endemischen Ländern, die ihre Angehörigen in der ehemaligen Heimat besuchen. Auch für dort eingesetztes UN-Militärpersonal oder Polizisten besteht ein Infektionsrisiko. |
Wie steckt man sich mit dem Lassa-Virus an?
Prof. Schwarz: Das tierische Reservoir des Virus ist eine im westafrikanischen dörflichen Umfeld weit verbreitete Ratte (Mastomys natalensis), die persistierend mit dem Virus infiziert ist. Mit den Exkrementen (Urin, Fäzes, Speichel) der Ratte wird das Virus zeitlebens ausgeschieden. Der Mensch infiziert sich dann durch Kontakt mit kontaminierten Lebensmitteln oder Gegenständen. Das Virus ist im getrockneten Zustand vermutlich über mehrere Tage infektiös.
Ansteckungen erfolgen zum Beispiel beim Schlafen in einem mit Nagerexkrementen kontaminierten Bett in einer Hütte in ländlichen Gebieten. Auch beim Aufschütteln (Cave: Staubentwicklung) eines mit Nager-Exkrementen kontaminierten Bettlakens, kann es zur Infektion kommen. Wichtige Ansteckungsquelle sind zudem kontaminierte Lebensmittel. Die aerogene Übertragung von Mensch-zu-Mensch ist in bestimmten Phasen der Erkrankung möglich.
Insbesondere besteht oftmals zu Beginn der Erkrankung eine Pharyngitis und Husten, wodurch es zur Übertragung durch Tröpfcheninfektion kommt. Aerogene Infektionen sind daher bei medizinischen Kontakten möglich. Auch gilt die Möglichkeit der sexuellen Übertragung für mehrere Wochen in der Rekonvaleszenz als gesichert. Eine weitere Ansteckungsquelle ist das Ausweiden sowie der Verzehr infektiöser Ratten, die in Dörfern in Westafrika durchaus eine wichtige Nahrungsquelle darstellen.
Wie äußert sich Lassa-Fieber?
Prof. Schwarz: Typischerweise kommt es zu Pharyngitis, Husten, Erbrechen, Kopfschmerzen, abdominellen und thorakalen Schmerzen, Myalgien, Lymphadenopathie, Diarrhoen, Tinnitus, Taubheit, Konvulsionen, fazialen und nuchalen Ödemen, Hämorrhagien und Enzephalopathie. Die höchste Letalität besteht bei einer Infektion in der Schwangerschaft im III. Trimenon.
Welche Therapiemöglichkeiten bestehen bei Lassa-Fieber?
Prof. Schwarz: Entscheidend für die Prognose ist der rasche Beginn der antiviralen Behandlung mit dem Nukleosidanalogon Ribavirin. Die Wirksamkeit dieser Therapie belegen einige wenige klinische Untersuchungen. Besteht bereits die Lassa-typische Symptomatik, lässt sich der Verlauf der Infektion durch Ribavirin vermutlich nicht mehr positiv beeinflussen. Ein aktiver oder passiver Impfstoff steht für Lassa-Fieber mit zur Verfügung.
Wann sollte der Hausarzt an die Möglichkeit eines virusbedingten hämorrhagischen Fiebers denken und welche Schritte sind notwendig?
Prof. Schwarz: Hier ist an erster Stelle die Reiseanamnese, das Reiseland, die Art der Reise, mögliche Exposition zu Vektoren oder Nagern, ein Kontakt zu Tieren, die aktuelle epidemiologische Situation im Reiseland, die Epidemiologie der in Frage kommenden Infektionen in der Region und Impfungen (insbesondere zum Ausschluss von Gelbfieber!) zu beachten.
Die in Afrika vorkommenden virusbedingten hämorrhagischen Fieber, wie Lassa-, Krim-Kongo-, Rift-Valley-, Marburg-Fieber, Ebola-Fieber, Gelbfieber sowie hämorrhagisches Dengue-Fieber beginnen meist mit einer grippeartigen Symptomatik. Insofern sollte nach sofortigem Ausschlus einer Malaria tropica und bakteriellen Infektionen, zum Beispiel Typhus, Leptospirose und Rickettsiosen, auch an die Möglichkeit eines virusbedingten hämorrhagischen Fiebers gedacht werden. Das zuständige Gesundheitsamt muss sofort über den Verdachtsfall informiert werden.
Allerdings sollte der Arzt vor einer Meldung wirklich einen konkreten Verdacht haben. Das Gesundheitsamt wird dem Arzt bei der weiteren Koordination, wie dem Transport des Patienten in eine geeignete Infektionsabteilung, Versand der Untersuchungsmaterialien, Kontaktaufnahme mit dem Robert-Koch-Institut sowie dem nationalen Konsiliarlabor für die Diagnostik importierter Virusinfektionen (Bernhard-Nocht-Institut, Hamburg) unterstützen.
Ferner wird durch das Gesundheitsamt eine Einschätzung des Risikogrades für eine Virusexposition der Mitarbeiter und der Patienten, die zeitgleich in der Praxis waren, vorgenommen und entsprechende Maßnahmen (ggf. Quarantäne) veranlasst. |
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