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Deutscher Infografikdienst

West-Nil-Fieber in Amerika - West-Nil-Virus besetzt ökologische Nische in der Vogel- und Pferdepopulation 

Ein Interview mit Prof. Tino F. Schwarz, Chefarzt am Zentrallabor Juliusspital in Würzburg
Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie
 
Wie beurteilen Sie die derzeitige West-Nil-Fieber-Situation in den USA? 

Prof. Schwarz: Das West-Nil-Virus hat in den USA eine ökologische Nische in der Vogel- und Pferdepopulation besetzt. Damit lässt sich das Virus in der Zukunft nicht mehr von diesem Kontinent eradizieren. Die Zahl humaner Infektionen lässt sich bis Einführung eines Impfstoffs nur durch gezielte Vektorbekämpfungsmaßnahmen begrenzen. Als besonders problematisch müssen die "neuen“ Komplikationen, wie die konnatale Schädigung, die Übertragung durch Blutprodukte sowie Organspenden angesehen werden.

West-Nil-Fieber in Amerika - West-Nil-Virus besetzt ökologische Nische in der Vogel- und Pferdepopulation

Ist mit einer weiteren Ausbreitung des Virus zu rechnen?

Prof. Schwarz: Inzwischen hat sich WNV - neben Kuba - auch in Kanada, Mexiko und einigen karibischen Inseln verbreitet. Diese Ausbreitung erfolgte durch die Vogelzüge. Auch zukünftig wird das Virus über diesen Weg weitertransportiert werden. Es besteht somit eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich WNV auch Richtung Südamerika ausbreiten wird, zumal dort kompetente Vektoren (Culex-Spezies) anzutreffen sind. Es ist demnach nur eine Frage der Zeit.

Wie schätzen Sie die Bedeutung dieser Infektion für die Reisemedizin ein?

Prof. Schwarz: West-Nil-Fieber muss inzwischen als eine zunehmend wichtige reisemedizinische Erkrankung angesehen werden. Gerade in Anbetracht der hohen Zahl von Urlaubern, die in die USA, nach Kanada, Mexiko und in die Karibik reisen, muss mit einer durchaus erheblichen Zahl an mitgebrachten Infektionen gerechnet werden. Leider ist jedoch das Wissen um diese Infektion in Deutschland noch eher lückenhaft, so dass man derzeit von einer erheblichen Zahl nicht erkannter Infektionen ausgehen muss.

Was raten Sie Urlaubern zur Vorbeugung?

Prof. Schwarz: Mangels Verfügbarkeit einer Impfung liegt die einzige Schutzmöglichkeit in der Vermeidung von Mückenstichen. Hier sollten Repellenzien zur Anwendung kommen, wie auch eine entsprechende körperbedeckende Kleidung. Letzterer Ratschlag ist jedoch bei Urlaubern nur schwer durchsetzbar. Wichtig ist es auch die aktuelle West-Nil-Fieber-Situation in der Zielgegend zu beachten. Hohe Fallmeldungen bedeuten dabei eine hohe Zahl von infizierten Mücken. Berücksichtigt man, dass auf jede Meldung einer humanen Erkrankung 150 bis 200 asymptomatisch infizierte Menschen kommen, lässt dies eine Aussage über die aktuelle Gefahrenlage zu.

Sollten Schwangere in Risikogebiete reisen?

Prof. Schwarz:
Über die Bedeutung und Häufigkeit der Übertragung von WNV in der Schwangerschaft ist unser Kenntnisstand noch sehr lückenhaft. Bis vor kurzem war nicht einmal bekannt, dass WNV eine konnatale Schädigung verursachen kann, obwohl die Infektion bereits seit 1937 bekannt ist. Es muss jedoch erwähnt werden, dass sich bis zur Einschleppung in die USA nur wenig Wissenschaftler mit dieser Infektion beschäftigt hatten.

Erst mit der Epidemie in den USA begann auch die Wissenschaft sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ob sich aus den bisherigen Beobachtungen Reiseempfehlungen für Schwangere ableiten lassen, ist noch verfrüht. Kommt es jedoch bei einer Schwangeren zu einem West-Nil-Fieber, sollte der Verlauf der Schwangerschaft jedoch engmaschig überwacht werden.