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Malaria-Propylaxe: Empfehlungen der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft

Malaria wird durch Protozoen der Gattung Plasmodium verursacht. Es existieren verschiedene humanpathogene Plasmodienarten, wie , Plasmodium (P.) falciparum (Erreger der Malaria tropica), Plasmodium ovale und Plasmodium vivax (Erreger der Malaria tertiana), Plasmodium malariae (Erreger der Malaria quartana). Plasmodien sind intrazelluläre Parasiten, die zwei Entwicklungszyklen, einen im Menschen, und einen Überträgermücke haben.

Die Malaria ist weltweit eine der bedeutendsten Infektionkrankheiten und eine typische Tropenkrankheit. Außer in Australien tritt sie in tropischen und subtropischen Regionen in etwa 100 Ländern endemisch auf. Etwa 40% der Weltbevölkerung lebt in Malaria-Endemiegebieten, wo ca. 300 bis 500 Millionen Menschen pro Jahr daran erkranken und 1,5 bis 2,7 Millionen Menschen an Malaria, versterben. Malaria kann auch außerhalb eines Endemiegebietes auftreten, man spricht dann von Flughafenmalaria, bei der die Infektion durch importierte infektiöse Mücken. In den letzten Jahren wurden in Deutschland jährlich zwischen 600 und 800 Fälle gemeldet.


Die Übertragung erfolgt in der Regel durch den Stich einer Anopheles Mücke, bei dem mit dem Speichel der Mücke Sporozoiten in die menschliche Blutbahn gelangen. Nach einer vom Plasmodien-Typ abhängigen Inkunbationszeit von 7-40 Tagen, die bei ineffizienter Prophylaxe auch sehr viel länger andauern kann, kommt es zunächst zu uncharakteritischen Symptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen. Bei der gefährlichsten Art, der Malaria tropica, kommt es zu wechselhaft hohem Fieber und Slenomegalie, Hepatomegalie und Durchfällen. Neben diversen Komplikationen kann es zum Koma kommen. Die Letalität der Malaria tropica liegt bei ca. 20%. Eine Mensch-zu-Mensch Übertragung ist nicht möglich.

Die Diagnostik erfolgt durch den mikroskopischen Nachweis der Plasmodien im Blutausstrich. Auch Antigennachweis und die PCR stehen zur Verfügung, serologische Nachweise spielen in der Akutdiagnsotik keine Rolle. Die Durchführung einer Chemoprophylaxe ist bei Reisen in Malariagebiete mit hohem Übertragungspotential grundsätzlich indiziiert. Mangels Verfügbarkeit eines Impfstoffes bilden die Säulen der Vorbeugung vor einer Malaria weiterhin zum einen die Expositions- sowie medikamentöse Chemoprophylaxe. Wegen der zunehmenden Resistenzentwicklung bei der Chemoprophylaxe ist die Expositionsprophylaxe von besonderer Bedeutung.

Bei der Expositionsprophylaxe wird dem Reisenden weiterhin die Anwendung von Moskitonetzen, das Einreiben unbedeckter Hautstellen mit Repellents, das Tragen von hautbedeckender, heller Kleidung sowie der Aufenthalt in mückensicheren Räumen geraten. Als empfohlene Repellents gelten Präparate, die DEET oder Bayrepel enthalten. Die Durchführung einer Chemoprophylaxe ist bei Reisen in Malariagebiete mit hohem Übertragungspotential grundsätzlich empfehlenswert.

Die Entscheidung über die Art der Malariaprophylaxe muss anhand des Reisezieles, der Reisezeit, der Aufenthaltsdauer und des Reisestils individuell für den Reisenden getroffen werden. Insbesondere sind
dabei auch ggf. Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten sowie eine sonstige Medikamenteneinahme
bei der Verordnung berücksichtigt werden. Bei den „Stand-by“-Präparaten stehen seit einigen Jahren
weiterhin unverändert Arthemether/Lumefantrin (Riamet®), Atovaquon/Proguanil (Malarone®), Chloroquin (Resochin®, Weimerquin®) sowie Mefloquin (Lariam®) zur Verfügung.

Zur medikamentösen Chemoprophylaxe wird von der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft (DTG) derzeit entweder Mefloquin, Atovaquon/Proguanil oder Doxycylin-Monohydrat für Hochrisikogebiete, in denen überwiegend Mefloquin-sensible Plasmodium falciparum-Stämme vorkommen, empfohlen. Dazu gehören Afrika südlich der Sahara, Papua Neuguinea, Salomonen, Indonesien östlich von Bali,  in den Südprovinzen von Nepal (Terai), Bangladesh, Brasilien (nur in Rondonia, Roraima, Amapa). In Regionen, in denen Mefloquin-resistente Stämme vorkommen, wird die Chemoprophylaxe mit Atovaquon/Proguanil oder Doxyzyklin empfohlen. Dazu gehören Trat, Tak (Thailand), die thailändischen Grenzgebiete zu Myanmar, Laos und Kambodscha.

Die Kombination von Chloroquin und Proguanil (Paludrine®)sowie Sulfadoxin-Pyrimethamin (Fansidar®) sind aus der Liste der wirksamen Chemoprophylaktika gestrichen. Von besonderer Bedeutung für die reisemedizinische Beratung ist die klare Empfehlung der DTG zu Doxyzyklin in Regionen mit Vorkommen von Mefloquin-empfindlichen oder –resistenten Plasmodium falciparum-Stämmen.

Doxycylin ist in Deutschland als Chemoprophylaktikum gegen Malaria nicht zugelassen. In anderen Ländern, wie zum Beispiel USA und Australien, wie auch von der WHO wird es zur Vorbeugung empfohlen. Studien belegen die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser Substanz. Daher ist nach der Empfehlung der DTG eine „off-label“-Verwendung von Doxycyclin durchaus gerechtfertigt und prinzipiell möglich, insbesondere
wenn hierfür Gründe vorliegen, die die Anwendung anderer Präparate ausschließen.

Aus forensischen Gründen empfiehlt es sich jedoch den Reisenden auf die Tatsache der Nichtzulassung für diese Indikation und dem damit verbundenen Ausschluss der Produkthaftung durch den Hersteller hinzuweisen.

Tansania: Als Prophylaxeschema für Doxzyklin gilt 1 bis 2 Tage vor bis 4 Wochen nach Aufenthalt im Malariagebiet täglich 100 mg. Bei der Verordnung von Doxyzyklin ist die Verordnung der galenischen Form als Monohydrat wegen der besseren Magen-Darm-Verträglichkeit zu bevorzugen. 
 

Ein Beitrag von Prof. Tino F. Schwarz, Chefarzt am Zentrallabor Juliusspital in Würzburg
Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie - aktualisiert am 29.Oktober 2009 (Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit)

Infografik - Malaria - weltweite Verbreitung und medikamentöse Prohylaxe 2006