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| Deutscher Infografikdienst |
Durch Zecken übertragende Krankheiten
Ein Beitrag von Prof. Tino F. Schwarz, Chefarzt am Zentrallabor Juliusspital in Würzburg Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie Beim Lesen verschiedenster Beiträge in der Laienpresse wie auch oftmals in medizinischen Fachzeitschriften fällt auf, dass hinsichtlich der Exposition mit Zecken eine unterschiedliche Terminologie verwandt wird. Während in der Hälfte der Beiträge von "Zeckenbissen" gesprochen wird, verwenden die anderen Autoren den Begriff "Zeckenstich". Fachlich richtig ist jedoch nur von Zeckenstichen zu sprechen! |
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| Bei den Zecken lassen sich Schild (Ixodidae)- und Lederzecken (Argasidae) unterscheiden. Zoologisch werden diese Tiere den Spinnen (Arachnida) zugerechnet. Anatomisch und physiologisch allerdings sind Zecken jedoch eher grosse Milben. Die in Mitteleuropa medizinisch bedeutsamste Zecke ist Ixodes ricinus (gemeiner Holzbock). Zecken spüren ihre Opfer über thermische, mechanische oder chemische Reize auf, die durch ein komplexes, in den Vorderbeinen lokalisiertes Sinnesorgan (Hallersches Organ) wahrgenommen werden. Diese Reize veranlassen die Zecken auf ihr Ziel zuzukrabbeln. |
Ist die Zecke auf die Haut des Menschen gelangt, sucht sie insbesondere eine feuchte und dünnhäutige Stelle auf, wie die Leiste, Achsel oder Kniekehle. Beobachtungen haben gezeigt, dass zwischen dem Befall des Menschen und dem Zeckenstich z. T. Stunden vergehen können.
Die Schildzecken ritzen mit Hilfe ihrer messerartigen Cheliceren die Haut ihrer Wirte auf und drücken dann mit der Kraft ihrer Beine das am Vorderende befindliche 0,5 mm lange, mit Widerhaken versehene, rohrartige Capitulum (= Hypostom) in die Wunde hinein. Es ist somit richtig von einem Stich zu sprechen, nicht hingegen von einem Biss. |
Der Zeckenstich selbst ist schmerzlos, weil sofort anästhetisch and antikoagulierend wirkende Substanzen durch das Hypostom in die Wunde abgegeben werden. Dies erklärt, warum Zeckenstiche meist unbemerkt bleiben. Nach 4 bis 6 Stunden beginnt vermehrter Speichelfluss in die Stichstelle hinein. Die Patienten bemerken oftmals erst nach Stunden die lokale Stichreaktion, die meist jedoch nur geringgradig ist und mit einer leichten Rötung und Juckreiz einhergeht.
Medizinisch bedeutsam ist, dass bereits mit dem Speichel FSME-infizierter Zecken das Virus mit dem Stich auf den Menschen übertragen wird. Die Dauer des Saugaktes kann zu 7 Tagen betragen. Beim Zeckenbefall muss diese umgehend entfernt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Zeckenkörper nicht gequetscht wird, da sonst borrelien-infizierter Darminhalt der Zecke in den Menschen gelangen kann.
Zur Vermeidung von Zeckenstichen ist das Tragen von körperbedeckender Kleidung in Zeiten der Zeckenaktivität empfohlen. Da dies zumindest den Badespass deutlich einschränken würde, sind diese allgemeinen Empfehlungen eher unsinnig und wenig praktikabel. Durch das Auftragen von Repellenzien lässt sich die Zahl der Zeckenstiche sicherlich reduzieren. Auf heller Kleidung können Zecken schnell erkannt und damit ein Kontakt mit der Haut vermieden werden, sofern man sie schnell beseitigt. |
Über die richtige und sinnvolle Methodik der Entfernung von Zecken tobt jeden Sommer ein erbitterter Streit. Für die Grundregel Nummer 1 besteht allgemeiner Konsensus. Diese Regel besagt, dass nach einem Aufenthalt im freien, zum Beispiel Liegen an einem Badesee, ein gründliches Absuchen des Körpers nach Zecken erforderlich ist. Wurde eine bereits saugende Zecke entdeckt, müssen die Mundwerkzeuge mit geeigneten Maßnahmen entfernt werden. Ein Quetschen der Zecke sollte dabei in jedem Fall vermieden werden, da es hierdurch möglicherweise erst recht zu einer Injektion von FSME-Virus und Borrelien kommen kann.
Gleiches gilt für die Verwendung von Öl oder Klebern, da die Zecke im Todeskampf vorhandene Erreger abgeben kann. Handelsübliche Zeckenzangen eignen sich meist nicht für die Entfernung von Zecken, insbesondere wenn diese noch im Larven- oder Nymphenstadium sind. Gut eignet sind feine Pinzetten, die ein Greifen der Tiere an den Mundwerkzeugen bzw. vor dem Körper erlauben. Übt man sanften Zug aus, lässt sich die Zecke schnell in toto entfernen. Andere sichere Methoden sind das Heraushebeln der Zecke mittels einer Kanüle oder eines Skalpells. |
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